20.03.2018

„Jeder wird gebraucht – keiner darf verloren gehen!“

 

Berufliche Bildung für Menschen mit Behinderung ist in Sachsen auf gutem Weg

Menschen mit Behinderung haben das Recht auf Berufliche Bildung – eine klare Forderung der UN-Behindertenrechtskon­vention!  Doch wie ist das Recht auf einen Beruf einzulösen? In Sachsen wurde mit dem Projekt PRAXISBAUSTEIN eine bundesweit vorbildliche Möglichkeit geschaffen, dass Menschen mit Behinderungen, die als nicht ausbildungsfähig und nicht erwerbsfähig gelten, eine von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern anerkann­te standardisierte berufliche Bildung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) angeboten werden kann. Zwar haben Menschen mit Behinderungen, die eine Werkstatt besuchen, auch schon bisher eine berufliche Qualifizierung im Berufsbildungsbereich der Werkstätten erhalten. Doch es fehlte die offizielle Anerkennung, wie sie im regulären Ausbildungssystem in Form von Zeugnissen, Diplomen oder Zertifikaten üblich ist. Mit den Praxisbausteinen wird das nun anders: „Endlich können wir in den Werkstätten ein Ausbildungssystem anbieten, das die Leistung von Menschen mit Behinderung offiziell würdigt. Absolventen erhalten nach erfolgreicher Leistungsüberprüfung ein Zertifikat von der jeweiligen Industrie- und Handels bzw. Handwerkskammer. Das ist sehr wichtig,“ sagt Michaela Bartel, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen.
79 Praxisbausteine wurden in den vergangenen Jahren entwickelt, die sich inhaltlich und strukturell an 11 verschie­denen anerkannten Ausbildungsberufen orientieren.

Der von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege veranstaltete Fachtag gab heute einen Einblick in die Projektinhalte und zeigte den Weg der Implementierung auf. Darüber hinaus setzten sich VertreterInnen aus Wissenschaft und Praxis mit Fragen auseinander, weshalb berufliche Bildung für den persönlichen Lebensweg notwendig ist und welchen Stellenwert sie für Menschen mit Behinderungen hat.

„Für alle Menschen, die am Arbeitsleben teilhaben möchten – egal in welcher Form, ist eine gute und abgestimmte berufliche Bildung erforderlich. Besonders Menschen mit einem Handicap dürfen dabei nicht zu kurz kommen, denn sie sind nicht nur ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft, sondern verrichten auch wichtige Arbeiten in den Werkstätten und Betrieben. Mit den Praxisbausteinen wird ein konkreter Bezug zu einzelnen Berufen hergestellt. Das trägt zu einer besseren Inklusion in Sachsen bei und baut eine weitere Brücke in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Jeder wird gebraucht und kein Mensch darf uns verloren gehen“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in seinem Grußwort.

Von den 60 anerkannten Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Sachsen sind jetzt bereits 22 offiziell zugelassen, PRAXISBAUSTEINe durchführen, weitere 12 sind auf dem Weg. „Das zeigt, dass wir mit unserem Projekt - in enger Zusammenarbeit mit der Liga der freien Wohlfahrtspflege und der LAG WfbM - im sächsischen Werkstattbereich überzeugen konnten - zum Wohle der Menschen mit Behinderungen“, freut sich Michaela Bartel.

Außerdem könnten durch die Praxisbausteine gezieltere Qualifizierungen für einen ganz konkreten Arbeitsplatz erfolgen:  Ob auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, einem ausgelagerten Außenarbeitsplatz in einem Betrieb oder aber auch in einer  Werkstatt für behinderte Menschen.
„Personenorientierung und chancenöffnende Bildung für Menschen auch mit umfassenderen Handicaps ist ein Qualitätskriterium guter Werkstattarbeit. Diesen Ansatz verfolgen wir strukturiert, einrichtungsübergreifend und mit lebenslanger Lernperspektive als Anbieterszene weiter. Damit ist eine Voraussetzung gegeben, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf stärker zwischen Teilhabemöglichkeiten wählen können und den Anforderungen einer sich ständig veränderten Welt begegnen können“, würdigte Andrea Stratmann von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten BAG WfbM) in ihrem Vortrag den „sächsischen Weg“, der bereits 2016 mit dem BAG WfbM-Bildungspreis ausgezeichnet wurde.

Das Projekt soll in Phase II nun weitere Berufsfelder erschließen und sachsenweit in Zusammenarbeit mit den Spitzenverbänden der Liga, der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Menschen mit Behinderung, dem Sächsischen Sozialministerium, den zuständigen Stellen des Berufsbildungsgesetzes und der Bundesagentur für Arbeit in der Praxis verankert werden. Ziel ist, dass es in allen sächsischen Werkstätten im Berufsbildungsbereich einheitliche Bildungsmöglichkeiten gibt und sie damit an das reguläre Ausbildungssystem anschließen.

Weitere Informationen:  Michaela Bartel, Diakonie Sachsen, Tel.: 0351/8315-158

Hinweis: Die Praxisbausteine gehen auf eine Projektidee und Umsetzung der Diakonie Sachsen zurück. Die Entwicklung der PRAXISBAUSTEINE wird seit 2017 mit Steuermitteln des Freistaates Sachsen auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts gefördert.



https://www.praxisbaustein.de/aktuelles_jeder_wird_gebraucht_keiner_darf_verloren_gehen_de.html